WeChat vs. Weixin: Ein Überblick

Von:

Theresa Stewart

Veröffentlicht:
1.3.2022

Es gibt eine neue Dynamik beim Digitalriesen Tencent: WeChat soll dabei in eine englische und eine chinesische Version unterteilt werden. Grund dafür sind vor allem die jüngsten Entwicklungen zur Datenverarbeitung, bei denen Daten aus China das Land nicht verlassen dürfen. Ein Überblick über die bevorstehende Änderungen der wichtigsten Plattform für Kommunikator:innnen.

In letzter Zeit häuften sich die Aufforderungen von Seiten WeChat an die ausländischen Nutzer:innen, ihre Telefonnummern zu ändern oder auf Weixin zu wechseln. Bis dato wurde zwischen WeChat und Weixin bei einem Großteil der ausländischen Nutzer:innen kein Unterschied erkannt - bis auf die Unterteilung in eine englische und eine chinesische Sprachversion. Dabei hat Tencent die Anwendung mittlerweile jedoch in zwei unterschiedliche Plattformen aufgeteilt.

Wichtig zu wissen: Diese Aufteilung bezieht sich jedoch nur auf die Datenspeicherung. Ab diesem Zeitpunkt soll die Anwendung WeChat für ausländische Nutzende zur Verfügung stehen, wobei deren Daten außerhalb von China gespeichert und verarbeitet werden können. Weixin ist als lokale Plattform nur noch für Besitzer:innen chinesischer Telefonnummern verfügbar. Die meisten der nunmehr 1,2 Mrd. monatlich aktiven Nutzenden befinden sich in China und werden daher Weixin verwenden.

Eine Reaktion Tencents auf das Datenschutzgesetz

Der Grund für diese Umstellung liegt in der Gesetzgebung der chinesischen Regierung hinsichtlich Datenschutz: Demnach dürfen Daten der chinesischen Nutzer:innen nicht im Ausland gespeichert oder verarbeitet werden. Das dient vor allem dem Schutz der chinesischen Bevölkerung vor Datenmissbrauch im Ausland. Dieses Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten reiht sich in die strengsten Datenschutzreglungen weltweit ein.

Plattformen, die personenbezogene Daten sammeln, speichern und verarbeiten wollen, benötigen nun eine ausdrückliche Zustimmung der Person. Wiedersetzt man sich der Reglung drohen Strafen und ggf. Blockierungen durch die chinesische Regierung. Tencent reagiert schnell und stellte bereits im Oktober letzten Jahres ein entsprechendes Aufsichtskomitee auf. Und weiter noch: Tencent hat jüngst zugesagt, seinen Nutzer:innen alle personenbezogenen Informationen zugänglich zu machen, die sie bereits erfasst haben. Dazu gehören bspw. E-Mail Adressen, demografische Daten, verbundene Konten und darüber hinaus eine Darlegung über Informationen, die bereits mit Dritten geteilt wurden. Momentan sei diese Einsicht bereits in einer Beta-Version verfügbar.

Eine weitere Erklärung bietet die zugespitzte politische Lage zwischen den USA und China: In der Vergangenheit wurde eine potenzielle Liste an verbotenen Tech-Apps aus China vorgeschlagen - auf dieser stand auch Tencent. Daher trennt der Konzern nun in Sachen Datenverarbeitung der Nutzenden nun zwischen inländisch und ausländisch.

Was bedeutet das für Nutzende?

Zunächst ist klarzustellen, dass beide Versionen, Weixin und WeChat, kompatibel bleiben. Nutzende aus dem Ausland werden weiterhin mit chinesischen Nutzenden ohne Probleme kommunizieren können - anders als bei der App Douyin (hierzulande bekannt als TikTok, die das westliche Pendant dazu bildet). Jedoch werden internationale Nutzende der Plattform WeChat keinen Zugriff mehr auf bestimmte Funktionen wie z.B. Livestreaming, den Gesundheitscode und den Kurzvideo-Bereich haben - das ist lediglich den inländischen Weixin Nutzenden vorbehalten.

Weixin Nutzende unterliegen dabei strengeren Zensurauflagen. Diese greifen unabhängig ihres Standortes. Diese Tatsache macht also auch die Verwendung eines VPN-Zugangs obsolet, die es bisher ermöglichte, eine Zensur zu umgehen.

Haben Sie individuelle Fragen zu den aktuellen Entwicklungen im chinesischen Datenschutz und bei WeChat? Sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen gerne weiter.

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Wenn Sie oder Ihr Team mehr über das Thema lernen möchten, dann sprechen Sie uns gerne an.

Theresa Stewart

Director China
t.stewart@storymaker.de

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