Futurestories: Innovationen mit Science-Fiction-Storytelling entwickeln

Autor

Marc Voland

Head of Story
Als Mastermind hinter unserer Story-Methodik ist Marc Voland als strategischer Berater unserer Kunden immer da, wo es den Kern des Unternehmens zu ergründen gilt. Er ist Dozent an der Hochschule der Medien in Suttgart und der W&V Masterclass Content Marketing.
Veröffentlicht:
2.2.2024
Aktualisiert:
13.2.2024

Unternehmen leiden unter dem aktuellen Druck zur Transformation und haben Schwierigkeiten, langfristig zu planen. In einer Welt im Umbruch ist Science-Fiction das Storytelling-Genre der Zeit. Sie kann uns helfen, neue Zukunftsszenarien zu entwickeln.  

In der Realität wäre das Holodeck eine irrsinnig praktische Technologie. Es erzeugt realistische dreidimensionale Hologramme von Personen, Objekten und Umgebungen. Mittels haptischen Feedbacks können Nutzer physische Empfindungen erleben und in beliebige aktuelle, historische oder fantastische Settings eintauchen. Das Holodeck dient als Trainingsumgebung, Wissenschaftslabor und Erholungsort. Ein Raum, der die Grenzen der Realität erweitert.  

Das Schöne: Das Holodeck ist der Idee nach inzwischen Realität. Ingenieure entwickeln und testen neue Produkte in virtuellen 3D-Welten, Chemiker führen mit Hilfe von VR Echtzeitsimulationen auf molekularer Ebene durch und die bayrische Polizei hat im vergangenen Jahr ein Tatort-VR-Raum zur Rekonstruktion von Straftaten. Das Holodeck, früher eine mutige Zukunftsvision aus “Star Trek”, wird so langsam Teil unserer Wirklichkeit.

Das Tatort-Holodeck der Bayrischen Polizei, Bild:Bayerisches Innenministerium

Möglichkeitsräume für Innovationen öffnen

Das Holodeck ist nur eine von vielen Ideen, die Science-Fiction-Autoren und -Filmemacher vorgedacht haben. So sind viele Beschreibungen von Jules Verne über künftige Entwicklungen heute technologischer Standard, denkt man beispielsweise an U-Boote oder Mondraketen, die Verne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiktional ins Leben gerufen hat. Natürlich lagen nicht alle Autoren richtig mit ihren Prognosen. Darum geht es aber auch gar nicht. Der Charme liegt darin, dass Zukunftsgeschichten Möglichkeitsräume eröffnen, alternative Szenarien andenken: Technologisch (Jules Verne bringt in “20.000 Meilen unter dem Meer” die Idee von U-Booten ins Spiel), politisch/gesellschaftlich (in James Camerons “Avatar” geht es unter anderem um den Erhalt von Natur und Lebensräumen), philosophisch (in Ridley Scotts Blade Runner wird die Frage verhandelt, was einen Menschen von einem Androiden unterscheidet). Science-Fiction ermöglicht, konkret Perspektiven auf die Zukunft (und damit auch auf die Gegenwart) zu erhalten. Science-Fiction ist ein gigantischer Simulationsraum.

Es wird Zeit, diesen Simulationsraum stärker für die Welt der Wirtschaft zu nutzen  

Organisationen und Unternehmen brauchen Klarheit. Wohin geht die Reise? Immer mehr Kräfte wirken auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein. Wer morgen vorne mit dabei sein will, muss sich ständig fragen, wie technologische, ökonomische, gesellschaftliche oder ökologische Entwicklungen sich fort- oder umschreiben. Dazu gilt es, neue Blickwinkel einzunehmen, Zukunft neu, zumindest anders zu denken. Mit anderen Worten: Unternehmen müssen sich permanent die Frage stellen: Was müssen wir machen, damit wir auch morgen erfolgreich sind?  

Dazu stehen uns zwei Optionen zur Verfügung: Prognosen und Imagination. Bei der Beobachtung von „kurzen Linien“ kommen meist analytische Methoden zum Tragen. Trendanalysen und Foresight-Tools machen Gegenwartsprozesse messbar und extrapolieren sie weiter. Je weiter wir schauen, desto unsicherer geraten allerdings die Vorhersagen. Es fehlen schlicht die Zahlen, Daten, Fakten. Um trotzdem zu Ergebnissen zu kommen, müssen wir auf unsere Vorstellungskraft setzen.

Die richtigen Fragen stellen

Denn die Fähigkeit, Zukunft aktiv zu gestalten, ist untrennbar mit der Kunst verbunden, sich konkrete Vorstellungen über mögliche Zukünfte zu bilden. Wie starten wir? Wir tasten uns zunächst fragend voran.

  • Wie verändert die digitale Baustelle die Baubranche?  
  • Wie verändern sich in zehn Jahren die Wünsche und Vorstellungen von Kunden?
  • Welche Produkte werden in einer klimagestressten Umwelt künftig benötigt?

Der Startpunkt kann auch so genannte What-if-Fragen sein.  

  • Was wäre, wenn Kunden alle Informationen zu einem Lebensmittel in einer App abrufen könnten (der digitale Produktpass auf Lebensmittel im Supermarkt angewendet)?
  • Was wäre, wenn Flugtaxis 30 Prozent des städtischen Verkehrs ausmachten?  
  • Was wäre, wenn es kein Geld mehr gäbe?

Mit Storytelling Ideen testen

Haben wir uns auf Zukunftsfragen festgelegt und eine erste Antwort skizziert, betreten wir den Simulationsraum. Wir entwerfen eine Zukunftsstory. Entlang der Leitfrage entwickeln wir künftige Szenarien, die das aufgeworfene Thema im Rahmen einer fiktionalen Geschichte durchspielt, wie Storymaker das beispielsweise für einen Energieversorger im Rahmen eines Workshops gemacht hat. Mit Kurzgeschichten haben wir mögliche Disruptionen in der gesellschaftlichen, technologischen und politischen Entwicklung aufgezeigt und damit eine Grundlage geschaffen, vor deren Hintergrund die weitere Entwicklung des Unternehmens diskutiert werden konnte.  

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Wesentlichste Bestandteile solcher Stories sind Konflikt und Transformation der Charaktere. Dank dieser Aspekte lassen sich beispielsweise Probleme (Konflikt) eines Produktes aufdecken, an die man nicht im Geringsten gedacht hat; es lässt sich klären, welchen Nutzen ein Produkt oder ein Geschäftsmodell haben wird (Transformation), oder wer eigentlich die Zielgruppe (Charaktere) ist. Das Schöne an der Methode: Man braucht nicht viel Zeit, diese Szenarien durchzuspielen, sie sind mit relativ wenig Aufwand verbunden und im Vergleich zu den realen Prototypen sehr günstig. Und vor allem: sie sind emotional erlebbar und bekommen dadurch eine erfahrbare Qualität.

Threatcasting – Mit Stories mögliche Risiken antizipieren

Diese Methode lässt sich nicht nur für die Entwicklung von neuen Produkten, innovativer Geschäftsmodelle oder Arbeitsmodelle einsetzen. Als so genanntes Threatcasting werden Futurestories weltweit von vielen Streitkräften angewendet. 2020 veröffentlichte etwa das Army Cyber Institute der US-Militärakademie West Point die Graphic Novel „Invisible Force – Information Warfare and the Future of Conflict.”  

70 Seiten eindrückliche Handlung, angereichert mit wissenschaftlichen  Papers von Militärexperten. Diese „useful fiction“ soll dabei die Trendanalyse ergänzen, denn:

“The old foresight and analytical methodologies are insufficient to fully capture or forecast the democratization of technology, but also struggle to identify the emergence of new actors and adversaries whose methods and objectives look nothing like past foes.” (aus dem Vorwort von Invisible Force).  

Auch hier geht es nicht darum, eine korrekte Bedrohung vorherzusagen, vielmehr geht es darum, mögliche Szenarien fiktional durchzuspielen. Ein Story-Simulationsraum lässt sich im gleichen Maße nutzen, etwa, um für Versicherungsgesellschaften Healthtrends unter die Lupe zu nehmen, Agrarunternehmen mit veränderten Klimazonen vertraut zu machen oder Banken den Stellenwert von Service in einer total-digitalen Gesellschaft demonstrieren. Durch die Simulation wird der nebulöse Möglichkeitsraum zum konkreten Vorstellungsraum – und zukunftsorientierte Mindsets können wachsen. Die feedback loops, die Futurestories zwischen Fiktion, Innovation und Gegenwart auslösen, fördern die Debatte und provozieren alternative Entscheidungsfindungen. Um davon zu profitieren, müssen wir in die Zukunft eintauchen. Sowohl im Holodeck als auch im Story-Simulationsraum. Hier finden wir die Stories, die die Zukunft eines Unternehmens greif- und erfahrbar machen.

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