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Lesen Sie diesen Storyletterartikel auch unter http://www.storymaker.de/storyletter/2008_11_storyletter.html "Wir geben China Gesichter" [Link: http://www.youtube.com/watch?v=dl1b8LohRj4] Unternehmer Ansgar Bittermann bringt die interkulturelle Kommunikation ins multimediale Zeitalter. Wie das aussieht? Klicken Sie den Video-Button. Interkulturelle Kommunikation kann nicht nur auf der sprachlichen Ebene vermittelt werden, sagtAnsgar Bittermann. Der Gründer des Münchner Unternehmens [Link: Global Emotion http://www.globalemotion.de] hat sich auf Software zum Training nonverbaler Fähigkeitenspezialisiert. Björn Eichstädt, Geschäftsführer von Storymaker, unterhielt sich mit dem Unternehmer und Wissenschaftler über seine erste Online-Software [Link: "Emotionen erkennen in chinesischen Gesichtern" http://www.globalemotion.de/g_training_produktbeschreibung.html] und interkulturelle Ansätze für das globale 21. Jahrhundert. Interkulturelle Trainings basieren zumeist auf sprachlicher Vermittlung. Sie gehen mit Ihrer Software einen ganz anderen Weg. Wieso? Interkulturelle Kommunikation hat eigentlich drei Aspekte: Da wäre zunächst die Kognition. Dabei geht es um Aspekte wie Sprache, Landeskunde oder Kultur. Auf der zweiten Ebene betrachten wir die Rituale eines Landes. In Deutschland ist es beispielsweise höflich, einer Frau zuerst die Hand zu geben, in Amerika ist das genau andersherum. Und die dritte Ebene, die in der Regel in interkulturellen Trainings fehlt, ist die affektive Ebene- wie reagiere ich auf eine andere Person? Um diese zuletzt genannten Aspekte zu trainieren, haben Sie eine Software entwickelt. Wie muss ich mir Ihr Training vorstellen? Wir haben in China 160 Menschen in emotionalen Situationen fotografiert und gefilmt. Ergebnis waren je 4000 Fotos und Videos. Dann haben wir diese emotionalen Gesichtsausdrücke in zehn Online-Spiele eingebettet. Mit ihnen üben Nutzer unserer Software beispielsweisedas unmittelbare Erkennen von chinesischen Gesichtern auf einer Slot-Maschine. Am Tag reichen zwanzig Minuten Training. Nach 14 Tagen ist man wesentlich besser für die nonverbale Kommunikation mit Chinesen gerüstet. Sie verbinden den Ansatz des Trainings also mit dem Ansatz des Spiels. Warum denken Sie, dass das den Erfolg bringt? Eigentlich gibt esnur zwei Ansätze, die wirklich dabei helfen, etwas zu lernen: Übung und Motivation. Hier ist also die Frage: Wie kann ich die Motivation möglichst hoch halten? Nun ja, indem das Training Spaß macht. Wenn Freude entsteht, dann wird das Belohnungszentrum stärker angesprochen. Heute heißt sowas "Game-Based-Approach", aber eigentlich ist das ein alter Hut. Was genau lernt der spielende Trainierende mit Ihrer Software? Es ist bei der Begegnungmit fremden Kulturen so, dass man weniger genau hinschaut - das ist der so genannte [Link: Cross-Race-Effect http://de.wikipedia.org/wiki/Cross-Race-Effekt] . Man verliert dadurch viele Details, deshalb kann man auch weniger präzise kommunizieren. Nun ist nonverbale Kommunikation sehr ursprünglich in der Evolution; außerdem kennen die Menschen so etwas wie emotionale Dialekte. Wir bringenden den Trainierenden also bei, den Anderen bewusster wahrzunehmen. Was wir nun nach unseren Trainings sehen: Die Menschen haben gelernt, genauer ins Gesicht des Gegenübers zu schauen. Aber hilft das nicht auch bei der Kommunikation innerhalb der eigenen Kultur? Ja. Hier verwischt der Ansatz der interkulturellen mit der intrakulturellen Kommunikation. Man lernt: Wie sieht der andere aus, wie verhält er sich, ist er heute müde? Das alles wird in den Kommunikationsprozess aufgenommen. Es geht um die Erweiterung des Wahrnehmungsspektrums. Kämpfen Sie mit Ihrer Software auch gegen Klischees über individuelle Angehörige von Völkern? Also: Der Deutsche ist genauso wenig der Deutsche wie der Chinese der Chinese ist? In bestimmter Hinsicht. Das ist das große Problem der Bildung: Um jemandem etwas beizubringen, muss man gewisse Klassen bilden, die dazu tendieren, ins Klischeehafte abzugleiten. Durch unser Training geben wir China Gesichter. Ein alte Weisheit sagt: Der, der Dir gegenüber steht, ist in diesem Moment der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Viele Leute haben Angst vor China: Ein Riesenvolk mit riesiger Macht! Wir individualisieren, damit vermenschlichen wir die Chinesen auch. Wir humanisieren, dann haben die Leute auch Ansatzpunkte - zu erkennen, das ist keine Maschine. Das ist nicht nur ein Chinese, das ist ein Mensch! Wo liegt der Bedarf: Was ist aus Ihrer Sicht das Problem, wenn man auf die Mimiknicht so sehr achtet? Sie müssen sich vorstellen: 50 Prozent aller Verhandlungen mit China scheitern. Das ist der Bedarf. Was das an Kosten verursacht - plus die psychologischen Kosten für die Person und ihre Angehörigen. Das ist die Lücke, die wir füllen. Und was kann dieser Mensch bei Ihnen lernen, bevor er zum Versager wird? Normalerweise müssen Sie sich die Kommunikation in China so vorstellen: Fast die gesamte Verhandlung läuftüber Dolmetscher. Weil viele die kleinen Hinweise in der Sprachmodulation aber wie gesagt auch in Gestik und Mimik nicht deuten können, wissen sie auch nicht, ob die Verhandlung gut läuft oder nicht. Oder man sieht nicht, wann man nicht mehr überreizen kann. Chinesen taktieren in Verhandlungen viel offensiver. Erst wenn sie wissen, dass man sie durchschaut, kommen sie mit viel besseren Angeboten. Das ist nicht nur auf der Straße beim Souvenirhändler sondern auchim Geschäftsleben so. Der Psychologe Ansgar Bittermann, 30, ist Gründer der Firma Global Emotion. Mit seiner Software gewann er im Jahr 2008 den Zukunftsaward und den Deutschen Multimedia Award sowie das Qualitätssiegel der European Multimedia Awards. Bittermann lebt in München. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fördert offiziell die Entwicklung seiner Software. Björn Eichstädt Geschäftsführer Storymaker
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